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Gemeinsam spazieren …durch den Ort mit der Gröbminger Erkundungstruppe!

14.07.2026, 10:00-11:30

Bei bereits sehr warmen Temperaturen fanden sich beim Seniorenzentrum Gröbming (Klostergasse 230) über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aller Generationen ein. Viele nutzten einen Rollstuhl und wurden von aufmerksamen Pflege-Personen oder Angehörigen begleitet.

Edith Zitz begrüßte die 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und stellte sich sowie das Projekt Unerhört 2.0 / inspire kurz vor.

Besonders begrüßte sie außerdem Hilde Unterberger, Sendungsmacherin „Literatouren“ und ehemalige Leiterin von Radio Freequenns, Katharina Ernecker, Leiterin des Stadtarchivs Liezen, den ehemaligen Gröbminger Bürgermeister Alois Guggi, die aktuelle Vizebürgermeisterin der Marktgemeinde Gröbming, Alex Rauch, sowie Martina Pitzer, die für die Frauen- und Mädchenberatungsstelle Philomena tätig ist. Diese hat eine Außenstelle in Gröbming. Martina Müller, tätig im Seniorenzentrum, kam eine besondere Rolle zu, weil sie so engagiert half, den Spaziergang „auf die Füße“ zu stellen.

Bürgermeister a.D. und jetziger Mitarbeiter im Museum Gröbming und Obmann des Museumsvereins, Alois Guggi, leitete den Spaziergang an. Dies wurde durch Fragen und Beiträge der Teilnehmenden noch angereichert.

Gemeinsam spazieren

Der erste Halt während des Spazierganges stellte die Klostergasse dar. Unter der Hausnummer Klostergasse 186 befand sich ein Kloster, das von vier Ordensfrauen aus Graz gegründet wurde. Ihre erste Wahl als Standort wäre Moosheim gewesen, doch dort war die Kirche zu weit entfernt, weshalb man sich für Gröbming entschied. Das war im Jahr 1860.

1904 wurde dann gemeinsam das Kloster erbaut. Mit „gemeinsam“ sind die Gemeinde und die Kirche gemeint. Die Klosterschule war für Mädchen und wurde bis 1958 geführt. Somit haben Ordensfrauen einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung von Mädchen in Gröbming geleistet, was sehr gewürdigt wurde. Es war eine Art Hauswirtschaftsschule. Danach war dort der Kindergarten untergebracht.

Einige der Teilnehmerinnen berichteten, dass sie hier zur Schule gingen oder früher den Kindergarten besuchten.

In den 1970er-Jahren wurde der Kindergarten von der Gemeinde übernommen und ab 2015 war auch die Kinderkrippe dort untergebracht, bis ein neues Gebäude zu diesem Zweck errichtet wurde. Heute finden sich hier Sozialeinrichtungen.

Besonders interessant ist, dass man im Jahr 1904, als das Haus errichtet wurde, bei Aushubarbeiten einen 2.000 Jahre alten Römerstein fand – an der Stelle dürfte sich eine Begräbnisstätte befunden haben. Den Römerstein stellte man zunächst in der Kirche auf. Im Jahr 2000 übergab man ihn jedoch dem Museum Gröbming.

Auf unserem weiteren Weg befindet sich die Peyrergasse. Sie war und ist eine wichtige Abkürzung und ist nach Bürgermeister Hans Peyrer (Bürgermeister 1939-1945, NSDAP-Mitglied) benannt. Bis heute führt die Familie einen Glasereibetrieb.

Weiter ging es entlang der alten Marktbürgerhäuser. Das waren die Häuser der Gewerbetreibenden. Sie gründeten einen Verein, der bis heute besteht. Es handelt sich um die ältesten Gebäude Gröbmings.

Schließlich machte die Gruppe beim ältesten Haus Gröbmings Halt. Es wird bereits im Jahr 1177 urkundlich erwähnt und trägt den Namen Gschmeidler-Schlüsselhof, da der Bewohner dort den Schlüssel für die Kirche nebenan aufbewahrte und verwaltete. Später wohnten dort sogar Ritter und in den vergangenen Jahrzehnten gehörte das Haus der Familie Danklmaier.

Die Kirche – eine Mariä-Himmelfahrts-Kirche – ist ebenfalls mit zahlreichen Erinnerungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verbunden, die in Gröbming aufgewachsen sind. Viele andere aus der Gruppe erfuhren hier Neues, da sie aus anderen Ortschaften nach Gröbming in das Heim übersiedelt sind.

Die Kirche wurde um das Jahr 1500 erbaut, 1511 erfolgte die Einweihung. Zwei Dinge sind hier kulturgeschichtlich besonders wertvoll. Erstens der Flügelaltar. Er ist nämlich der größte und älteste Österreichs. Der Oberösterreicher Astl gestaltete ihn.

Die zweite Besonderheit ist die Pestglocke aus dem 17. Jahrhundert. Damals wütete die Pest in Gröbming und führte zu einer regelrechten Entvölkerung. Als Alois Guggi (Geburtsjahr 1952) Ministrant war, wurde die Glocke noch bei hohen Ämtern geläutet, heute jedoch nicht mehr.

Bis etwa 1880 befand sich auch der alte Friedhof direkt rund um die Kirche. Im Jahr 2025 fand man bei Arbeiten an der Kirche zwei Kindergräber, in denen die Verstorbenen mit einem Mariazeller Kreuz bestattet worden waren. Diese Grabbeigabe kann man heute im Museum Gröbming besichtigen.

Edith Zitz erinnerte an die letzte große Epidemie, nämlich Corona. Die Care-Arbeit wurde und wird größtenteils von Frauen geleistet. Auch in der Pflege arbeiten hauptsächlich Frauen. Sie erinnerte an diese hervorragenden Leistungen und rief ins Gedächtnis, dass im Jahr 2020/2021 in Graz (wie in vielen anderen Orten) für die meist weiblichen Pflegekräfte applaudiert wurde, um ihnen öffentlich hörbar Respekt entgegenzubringen. Auch während des Rundgangs wurde an dieser Stelle den Pflegerinnen und Pflegern applaudiert. Mehrere von ihnen nahmen ja an dem Rundgang teil.

Weiter ging es Richtung Stoderplatzl. Hier befinden sich ein Kaufhaus, ein Spielzeuggeschäft, ein Fleischhauer sowie das FX-Mayr-Hotel. Hier wurden besonders viele Erinnerungen wachgerufen. Das Einkaufen war und ist eine wichtige soziale Interaktion in Gröbming und für viele Bewohnerinnen und Bewohner des Heimes auch heute noch möglich, da die Geschäfte für viele gut zu Fuß erreichbar sind.

Das Stoderplatzl ist eine besondere Begegnungszone. Über den Sommer wird die Durchfahrtsstraße gesperrt und zur Fußgängerzone erklärt. Das kam bei den Teilnehmenden sehr gut an. Es fanden sich übrigens keinerlei Barrieren auf den Weg hierher. Außerdem gibt es viele Sitzgelegenheiten, die das Unterwegssein angenehm machen. Allerdings fehlt im Ort ein Blindenleitsystem.

Am Stoderplatzl befindet sich auch das FX-Mayr-Haus, benannt nach dem gebürtigen Gröbminger und Arzt Franz Xaver Mayr (1875-1965). Damals bestand die Kur darin, dass man ausschließlich Semmeln und Milch zu sich nehmen durfte. Hier kam das Thema sozialer Status und Ernährung zur Sprache. Personen aus höheren Gesellschaftsschichten verfügten über mehr Geld und hatten dadurch Zugang zu reichhaltigeren beziehungsweise ungesünderen Lebensmitteln. Daher mussten sie schon damals Fastenkuren durchführen, um ihre Gesundheit zu verbessern. Das durchschnittliche Lebensalter lag zu dieser Zeit bei etwa 50 Jahren. F. X. Mayr selbst wurde hingegen 90 Jahre alt. Zu seinen Patienten zählten unter anderem international bekannte Persönlichkeiten wie Winston Churchill oder Henry Ford.

Alois Guggi erzählte außerdem von der berühmten Fotografin Antonia Brandlmayr. Sie wurde in Marseille geboren und kam durch die Kriegswirren nach Gröbming. Dort blieb sie als bedeutende Fotokünstlerin in der Ortsgeschichte in Erinnerung. Antonia Brandlmayr hat viele Jahre lang in Gröbming das Fotografengewerbe ausgeübt, hat eine große Zahl privater und öffentlicher Aufträge erfüllt und war auch in ihrem Privatleben eine aufmerksame Beobachterin mit der Kamera. Das Schloss Trautenfels – Teil des Universalmuseum Joanneum – widmete ihr 1991 eine Sonderausstellung. Brandlmayr wird auch im Museum Gröbming gewürdigt.

Die Leiterin der Bücherei Gröbming, Evelyn Oppeneder, machte darauf aufmerksam, dass sich am Stoderplatzl auch eine sogenannte Bücherbox befindet. Dafür wird eine kreativ gestaltete, ehemalige Telefonzelle von der Bücherei mit Büchern bestückt und von den Menschen, die dort vorbeikommen oder ihre Zeit verbringen, entdeckt und genutzt. Es können kostenlos Bücher mitgenommen (oder welche hingebracht) werden. Dadurch wird der eine oder die andere dazu angeregt, auch einmal die Bücherei in Gröbming zu besuchen: Diese hat eine bedeutende soziale und kulturelle Rolle und bietet einen barrierefreien Zugang.

Die Teilnehmenden des Spaziergangs tauschten sich untereinander aus und man hörte viele positive Rückmeldungen über den Platz, besonders jetzt im Sommer, wenn er für den Verkehr gesperrt ist. Das trägt dazu bei, dass sich die Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raums stark verbessert. Sogar ein Tischtennistisch ist hier zu finden.

Als Nächstes blieb die Gruppe beim Gasthof Habacher stehen. Hier befand sich früher der Gastgarten des Gasthauses Post. Dieses war einst ein bedeutendes Unterhaltungszentrum im Ort und ein wichtiger Treffpunkt.

Alois Guggi trug anschließend ein Gedicht über das „Bübl vom steirischen Landl“ von Peter Rosegger vor, welches er bereits vor rund 70 Jahren an genau dieser Stelle aufgesagt hatte. Die Teilnehmenden waren begeistert.

In der Nähe befand sich außerdem die Angermeier-Kegelbahn. Einige Frauen konnten sich noch gut daran erinnern und berichteten, dass sie früher häufig dort waren.

Die Schlussstation des Rundgangs bildet das Museum Gröbming. Interessanterweise befand sich hier früher der Turnsaal der Volksschule. Die ehemalige Volksschule ist das Gebäude gegenüber und wird heute als Gemeindeamt genutzt.

In dieser Volksschule befand sich einst die erste „Bauernschule“ Österreichs, nämlich die „Erste Bäuerliche Fortbildungsschule“, gegründet 1903. Sie war allerdings ausschließlich den Buben vorbehalten – ein Beispiel für eine ungerechte Verteilung von Bildungschancen zwischen den Geschlechtern. Die Buben durften sonntags nach der Messe den Unterricht besuchen.

Viele der Teilnehmenden erinnerten sich besonders gut an den Turnsaal, der damals mit einem Holzofen beheizt wurde.

Aufgrund der umfangreichen Gruppengröße gab es nicht so viele Wortmeldungen, da es herausfordernd ist, vor einer so großen Gruppe zu sprechen. Untereinander wurden jedoch zahlreiche Gespräche über damals und heute geführt, und es fand ein reger Austausch über kulturelle und soziale Themen statt. Viele der Teilnehmenden waren keine gebürtigen Gröbmingerinnen oder Gröbminger. Auch für die Einheimischen waren viele der vermittelten Informationen neu.

Edith Zitz wies beim Museum außerdem darauf hin, dass ein Großteil der Museums- und Kulturarbeit von Frauen geleistet wird – insbesondere in den weniger prestigeträchtigen Bereichen, in denen viel Vorbereitungs- und Organisationsarbeit anfällt. Diese Tätigkeiten werden meistens ehrenamtlich ausgeübt. Sie betonte außerdem die wichtige Rolle, die MUSIS – Der Steirische Museumsverband – für die regionale Museumslandschaft spielt. Alois Guggi erhielt tosenden Applaus für seine engagierte Gestaltung des Spaziergangs.

Nach dem Rundgang kehrte die Gruppe gemeinsam in das Seniorenheim zurück, wo noch gemeinsam das Mittagessen eingenommen wurde und der Tag in gemütlicher Atmosphäre ausklingen konnte. Dabei wurde sowohl der Spaziergang nachbesprochen als auch aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen gemeinsam reflektiert.

Der Rundgang bildete den Abschluss des Projekts „Unerhört 2.0 – Unerzählte Geschichten weitererzählen“ von inspire- Bildung und Beteiligung.

Fotos: ©@nikkiphotography.at

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