Flott durch Admont: Wie kommt man mit Rolli, Rollator, Kinderwagen & Co von A nach B?!
Am Stiftsparkplatz in Admont trafen sich knapp 30 Teilnehmer*innen trotz herausfordernder Wetterverhältnisse. Susanne Wölger-Olivier und Friederike Zettelbauer, die beiden Frauen sind Rollstuhlfahrerinnen, trotzten Schneefall und Kälte und führten durch den Nachmittag. Eröffnet hat den Nachmittag Susanne Wölger-Olivier mit einer kurzen Erklärung des Ablaufs, Friederike Zettelbauer schloss gleich an und brachte die Perspektive von Rollstuhlfahrerinnen ein. Ziel ist es, aufzuzeigen, wo der Alltag erschwert ist, und Teilhabe verhindert wird. An dieser Stelle wurde der Bedarf einer rollstuhlgerechten öffentlichen WC-Anlage aufgezeigt und die Frage nach einem Umbau der ehemaligen Trafik Hoffmann gestellt. Bürgermeister Christian Haider zeigte sich offen für die Idee, verwies jedoch darauf, dass dieser Standort nicht ausgewählt worden war. Als neuer Standort ist Glashaus/Stiftskeller vorgesehen, geplant ist hier ein Kooperationsprojekt zwischen dem Stift und der Gemeinde, welches auch budgetär eine Herausforderung darstellen würde (Volumen ca. € 100.000). Friederike Zettelbauer betonte nochmals ihre Bitte um baldige Umsetzung und Edith Zitz, inspire, lud alle Beteiligten ein, sich gemeinsam auf den Weg zu machen – „Roll over Admont!“.
Der Weg führte über den Parkplatz zum Platz zwischen Stiftskeller und Museum und wurde bewusst von den beiden Rollstuhlfahrer*innen so ausgewählt, da die Beschaffenheit des Bodens ein besonders wichtiger Aspekt ist. Beispielsweise wurde darauf hingewiesen, dass Plätze, die mit großen Pflastersteinen ausgestaltet sind, äußerst unangenehm zu befahren sind.
Aufgrund der Wetterlage nutzte die Gruppe einen Durchgang, um kurz zu pausieren und dem Schneefall einen Moment zu entgehen. Edith Zitz stellte das Projekt UNERHÖRT! vor und ein herzliches Willkommen erging an Bgm. Christian Haider, der die gesamte Route mitging und sich bereits zuvor im Austausch eingebracht hatte. Teilgenommen haben auch Martina Pitzer von der Mädchen- und Frauenberatungsstelle Philomena und Veronika Spiller von der Selbsthilfe Steiermark, die während der Begehung für Austausch zur Verfügung standen.
Vor dem Museum hielt die Gruppe an und wurde von Michael Richter-Grall, dem künstlerischen Leiter des Museums des Stiftes Admont sowie seiner Kollegin Camilla Rammerstorfer in Empfang genommen. Im Museumsfoyer gab es neben Informationen zur aktuellen Ausstellung auch Ein- und Rückblicke in die Geschichte der etwa 300 Nonnen im Stift Admont, die im 12. Jahrhundert bis ins 16. Jahrhundert im Stift lebten. Dass es über fünf Jahrhunderte auch Nonnen im Stift Admont gegeben hat, ist vielen nicht bekannt: im 11. Jahrhundert ermöglichte die Hl. Hemma von Gurk mit ihren Besitzungen die Gründung des Klosters. Zwischen 1116 und 1120 entstand unter Abt Wolfhold ein Nonnenkloster, das 1582 aufgelöst wurde. Es handelte sich überwiegend um Frauen der sozialen Elite/Adelige und sie betätigten sich unter anderem als Schreiberinnen. Handschriften und Briefe sowie Buchmalereien konnten erhalten werden und wurden 2023 in einer Sonderausstellung sowie im Rahmen der Jubiläumsausstellung 950 Jahre Stift Admont (seit 2024) ausgestellt. Susanne Wölger-Olivier und Edith Zitz äußerten den Wunsch, dass die Geschichte dieser Frauen auch weiterhin kommuniziert wird und – als Beitrag zur weiblichen Sichtbarkeit – ins Bildungsprogramm und in Lehrpläne aufgenommen wird.
Bezüglich der physischen Barrierefreiheit erklärt Richter-Grall, dass bereits viele notwendige Schritte getan sind. Das Museum wurde 2003 eröffnet und daher bereits barrierefrei konzipiert. Das Museum ist barrierefrei zugänglich, die Eingangstüre ist mit einem Bewegungssensor ausgestattet, es gibt einen Aufzug, mit dem alle Stockwerke zugänglich sind. Das rollstuhlgerechte WC ist während der Öffnungszeiten auch ohne Eintrittskarte für Rollstuhlfahrer*innen zugänglich. Da das Museum nicht ganzjährig geöffnet ist, stellt dies weiterhin für betroffene Rollstuhlfahrer*innen eine Herausforderung dar. Auch wird angemerkt, dass eine breite Kommunikation dieser Möglichkeit hilfreich wäre. Richter-Grall griff dies bereits auf und versicherte, dies auch mit den Mitarbeiter*innen des Museumsbetriebs noch einmal zu thematisieren. Ein Rollstuhl kann zudem ausgeliehen werden, Assistenzhunde sind selbstverständlich erwünscht. Angemerkt wird jedoch, dass es zu öffnende Flügeltüren im Museumsbereich gibt, wofür es weiterhin einer Unterstützung bedarf.
In der aktuellen Ausstellung „Jenseits des Sehens“ im ersten Obergeschoß des Museums, gegenüber dem Zugang zur Stiftsbibliothek, werden jährlich wechselnd zeitgenössische Kunstwerke aus der Sammlung „Jenseits des Sehens“ präsentiert, die für Blinde und Sehende gleichermaßen zugänglich sind. Dieser inklusive Zugang ist sowohl für Menschen mit (Seh-)Beeinträchtigungen als auch für solche ohne Beeinträchtigung eine Bereicherung.
Hilde Unterberger informiert über die Interessensgemeinschaft feministischer Autorinnen, die 2025 das Stift Admont besucht und sich mit dem Thema der Nonnen im Stift Admont beschäftigt hatten. Das Gedicht „Drei Schlösser“ sollte auf die Lebenswelt dieser Frauen aufmerksam machen und wurde per Audiobeitrag, gelesen von der Autorin Ingrid Draxel, als kurzer Beitrag eingebracht.
Barbara Pölzgutter unterstützte diese Begehung durch eine professionelle und engagierte Fotobegleitung, wobei der Blick auf die Haller Mauern für das Gruppenfoto aufgrund des Schneefalls verwehrt war.
Ein kurzer Halt vor der Stiftskirche machte nachvollziehbar, dass wenige Stufen für viele Menschen nicht erwähnenswert sind, doch für Rollstuhlfahrer*innen werden sie zum Hindernis. Besonders wichtig ist an dieser Stelle die Rampe, die aktuell während der Wintermonate nicht zur Verfügung steht. Friederike Zettelbauer betont die Wichtigkeit einer gesicherten Ganzjahresrampe.
Weiter ging es zum Martha Wölger Fuchs Rotrock-Brunnen neben dem Hotel Traube. Hier gab es einen kurzen Input von Friederike Zettelbauer zu Martha Wölger, da sie die Heimatdichterin noch persönlich gekannt hat.
Die nächsten Stationen waren Tourismusbüro und Gemeindeamt Admont . An dieser Stelle teilte sich die große Gruppe, wobei Susanne Wölger-Olivier mit Interessierten das Tourismusbüro Admont besuchte.
Im Infobüro des Nationalparks Gesäuse (teilt sich die Räumlichkeiten mit dem Tourismusbüro Admont) traf ein Teil der Gruppe Katrin Stock. Sie leitet das Infobüro und berichtete von den barrierefreien Möglichkeiten im Nationalpark. Seit 2002 gibt es ein neues Besucherzentrum (bei der Abzweigung nach Johnsbach) sowie barrierefreie Themenwege. So wurde etwa ein Weg gemeinsam mit der Lebenshilfe entwickelt, der Weg „Die andere Sicht“ ist so gestaltet bzw. abgesenkt, dass Rolli-Fahrer*innen mit den Händen den Waldboden erreichen sowie erfühlen und riechen können. Petra Sterl war ebenfalls anwesend, sie hat die barrierefreien Touren und den Führer des Nationalparks dafür vor 10 Jahren mitentwickelt. Die barrierefreien Wege sind geschottert, asphaltiert oder über Holzrampen befahrbar; außerdem gibt es (beim Weidendom bzw. beim Nationalpark Pavillon) Rolli-Zuggeräte („Swiss Track“) für welche man sich einerseits anmelden und sie andererseits auch spontan ausborgen kann. Es gibt auch einen Folder „Leichte Touren“, welcher zwar für Rollstuhl-Fahrer*innen konzipiert wurde, jedoch auch von Familien, älteren Personen oder Personen, die z.B. nach einem Unfall mit Krücken unterwegs sind, sehr gern genutzt wird und deshalb auch meist vergriffen ist. Susanne Wölger-Olivier berichtete, dass sie bei der Erstellung des Folders beteiligt war, und was für ein tolles Erlebnis das für sie gewesen ist.
Friederike Zettelbauer wiederum besuchte mit dem zweiten Teil der Gruppe das Gemeindeamt. Das Rathaus der Marktgemeinde Admont, das sich direkt neben dem Tourismusbüro befindet, verfügt über ein öffentliches WC, jedoch nicht barrierefrei. Im Gemeindeamt gibt es ein barrierefreies WC, wobei dieses nur während der Amtsstunden zugänglich ist und ein Schlüssel organisiert werden muss. Im Gespräch mit Bürgermeister Christian Haider wies dieser nochmals auf die geplante Kooperation mit dem Stift Admont hin, denn dies könnte eine nachhaltige Lösung sein. Gleichzeitig brachte Bgm. Haider ein, dass es nur einen gemeinsamen Weg geben kann und informierte über Herausforderungen hinsichtlich des Bebauungsplans und der Gefahrenzonen.
Schließlich fanden sich die wetterfesten Rollstuhlfahrer*innen, Netzwerker*innen und vielen interessierten Menschen – nun wieder versammelt – zum gemütlichen Ausklang im Hotel Spirodom ein. Martina Pitzer stellte ihre Arbeit der Mädchen- und Frauenberatungsstelle vor und bei Brötchen, Kaffee und Kuchen gab es einen regen Austausch über die vielen gesammelten Eindrücke. Die teilnehmenden Verantwortlichen und Stakeholder hielten fest, dass sie die Ergebnisse des Streifzugs entsprechend nachbearbeiten werden.
Eine Veranstaltung im Rahmen des Projektes Unerhört! 2.0 – Unerzählte Geschichten weitererzählen
Fotos: ©Barbara Pölzgutter















