Am 21.08.2026 fand ein Workshop mit Erfahrenen mit psychischer Belastung und Erkrankung zum Thema Hitze statt. Der Workshop, gestaltet mit kreativen Methoden, vermittelte wichtige Tipps für Hitzetage. Er diente weiters dem Austausch über den Umgang mit Hitze von Betroffenen von psychischer Belastung und Erkrankung. Dabei entstand ein Notfalls-Koffer auf Grundlage der Erfahrungen der Personen.
Zum Einstieg überlegten sich die Teilnehmer*innen, was Hitze für sie bedeutet, wie es ihnen bei Hitze ergeht und welche Plätze sie bei Hitze aufsuchen bzw. meiden.
Bereits bei der anschließenden Vorstellungsrunde zeigte sich, wie divers die Lebenswelten der Teilnehmenden sind: Der Großteil berichtete von Sommerdepressionen und dem Problem mit grellem Licht – insbesondere in der Stadt, wo das Licht von Gebäuden und Boden abprallt. Weiters wurde von großer Erschöpfung berichtet: der gesellschaftliche Druck bzw. Glaubenssatz, dass man im Sommer „etwas erleben“ müsse, trifft hier auf „alle sind aktiv, ich kann einfach nicht“. Eine Teilnehmerin sprach über Schwierigkeiten mit Medikamenten für Parkinson, da diese sie vor allem bei großer Hitze noch mehr schwitzen lassen. Eine weitere Teilnehmerin erzählt, dass sie seit einer Vollnarkose bei Hitze verstärkt zu Schwindel neigt. Zusätzlich verstärken Psychopharmaka das Hitze-Gefühl.
In den darauffolgenden Einzel- bzw. Gruppenarbeiten widmete sich die Workshop-Gruppe den Fragen:
* Warum ist Hitze gefährlich?
* Wie kann man sich im Alltag vor Hitze schützen?
* Welche (öffentlichen) Orte (in Graz) suchen oder meiden wir bei Hitze?
Hitze-Notfallkoffer
Anschließend wurde gemeinsam eine Mind-Map zu dem Thema und ein praktischer Hitze-Notfallkoffer mit Tipps erarbeitet. Dieser umfasst Themen wie Ernährung, Kleidung, Umgang mit Gesundheitsthemen sowie Hinweise auf öffentliche Räume.
Orte, die bei Hitze gemieden werden:
Parkplätze/Tiefgaragen, Haltestellen, Haltestellen mit transparenten Dächern, Sitzgelegenheiten neben Mülleimern (riechen im Sommer besonders stark, meist befinden sich „Gacki-Sackerl“ darin – macht zusätzlich zur Hitze Stress!), Freibäder mit großen Flächen ohne Schatten, viele Menschen, Lärm, etc… Generell Orte mit Menschenansammlungen, z.B. Griesplatz, Jakominiplatz, Endhaltestelle St. Peter (Betonwüsten, die einen schutzlos der prallen Sonne aussetzen), Orte, die weder über Schatten, Trinkbrunnen noch öffentliche WCs verfügen. Überfüllte, nicht klimatisierte Öffis, besonders, wenn Menschen dort rücksichtslos/laut sind.
Häufig genannt wurde der Zugang zu öffentlichen Toiletten. Diese sind leider teils nicht ausreichend sauber und manchmal kostenpflichtig. Toiletten bieten Schutz vor Sonne, die Möglichkeit sich abzukühlen und Wasser aufzufüllen. Ihr Fehlen (oder der hochschwellige Zugang) bei Hitze verursacht Stress. Besonders betroffen sind davon Menschen mit Kreislaufproblemen, Menschen die häufiger auf die Toilette müssen (Menstruation, Reizdarm, „nervöse Blase“,..) oder akut Abkühlung brauchen.
Auf öffentlichen/schattigen Plätzen wie z.B. Parks treffen viele Menschen aufeinander, die Schutz an heißen Sommertagen suchen. Dies erfordert ein sensibles Miteinander und Aufklärung. Eine Teilnehmerin berichtet von Ängsten vor dem Aufeinandertreffen mit oder Verdrängt-Werden von als dominant wahrgenommenen Gruppen wie beispielsweise Jugendlichen. Menschenmassen gelten für alle Teilnehmer*innen als Stressfaktor, insbesondere in den Öffis oder auf unübersichtlichen Plätzen wie dem Jakominiplatz.
Orte, die Teilnehmer:innen bei Hitze aufsuchen:
Kirchen, Kinos, klimatisierte Shoppingcenter, Stadtbibliotheken, Dom im Berg, Museen, Parks, Murufer, Gastgärten mit Sprühanlagen (jedoch mit Konsumzwang verbunden), die eigene Terrasse – wenn vorhanden. Eine Teilnehmerin berichtet, dass sie bei Hitze öffentliche Orte generell lieber meidet.
Öffentliche Räume sind für die Teilnehmer*innen insbesondere dann attraktiv, wenn es natürlichen Schatten oder eine Überdachung gibt, Luftzirkulation spürbar ist, Zugang zu Wasser vorhanden ist, die Böden kühler sind. Parks werden als erholsam wahrgenommen, da sich Menschenansammlungen eher aufteilen und man in der Natur ist. Diese Atmosphäre fördert die Entspannung bei „angespannten Temperaturen“. Im besten Falle gibt es dort Zugang zu kostenfreiem Wasser, Sitzmöglichkeiten und öffentlichen WCs.
Noch weiter verbessert werden könnte:
Zugang zu (sauberen, funktionierenden) öffentlichen Toiletten (leider gerade im Sommer teils sehr schmutzig!), mehr Trinkbrunnen, Haltestellen/Fußwege/Plätze beschatten, Sitzgelegenheiten (im Schatten, NICHT neben Mülleimern) schaffen und so anordnen, dass alle Platz finden, die Erholungsbedarf haben, Klimaanlagen in öffentlichen Gebäuden und Öffis/Öffis mit mehr Kapazität, Abkühlungsmöglichkeiten (z.B. Sprühnebel), Trinkmöglichkeiten für Hunde, generell mehr Wasserflächen im öffentlichen Raum, architektonische Konzepte, die große Menschenansammlungen unwahrscheinlicher machen
Fazit:
Das Thema Hitzeschutz bräuchte im Alltag viel mehr Raum und Zeit, bzw. Austauschmöglichkeiten – gern direkt mit Entscheidungsträger*innen, wie Stadtplaner*innen oder Politiker*innen. Menschen, die von unsichtbaren Einschränkungen betroffen sind, wünschen sich, gehört, gesehen, miteinbezogen und ernst genommen zu werden.
Genannt wurden in den Gesprächen insbesondere das Fehlen von Beschattung und Sitzgelegenheiten, sowie Trinkbrunnen im öffentlichen Raum. Betont wurde die Wichtigkeit niederschwellig zugänglicher, sauberer und funktionierender Toiletten im Sommer. Dieses Angebot sollte ausgebaut werden. Ein Punkt, der sich auf die Nutzung öffentlicher Plätze auswirkt, sind gewiss auch Ängste vor Menschen(gruppen), die vulnerable Personen(gruppen) verdrängen (könnten). Konsumzwang war auch ein Thema: Gerade Menschen mit psychischer Belastung haben häufig nicht die finanziellen Mittel, um viel zu konsumieren – aus diesem Grund werden konsumzwangfreie, kühle Räume und öffentliche Plätze (z.B. Parks) von Teilnehmer*innen sehr geschätzt.
